Wörleschwang im Wandel der Jahrhunderte

 

Wörleschwang liegt an der nordwestlichen Grenze des Landkreises Augsburgt. Zur Römerzeit zweigte eine Vizinalstraße bei Steinekirch von der großen Heerstraße Augusta-Guntia (Augsburg-Günzburg) ab und führte durch das Zusamtal zu den Castra zu Aislingen, Eppisburg, Binswangen und Zührkeim und damit weiter Kastell Summuntorium bei Druisheim. Von Wörleschwang führte wiederum eine Nebenstraße nach Welden. Im Jahre 1829 wurde in Wörleschwang eine römische Kupfermünze des Kaiser Philipus vom Jahr 248 gefunden. Sie trug die Aufschrift: Pax aeterna. Dieser Fund läßt die Vermutung zu, daß zur Römerzeit bereits hier ein Ort bestanden hat. Gewiß waren es nur einige Gehöfte, die weiter auseinander lagen, als die heutige Dorfform erahnen läßt.

Die Entstehung des Ortsnamen ist bisher nicht einwandfrei erklärt. Es ist durchaus möglich, daß der Ort seinen Namen seiner ersten Kolonisten, vielleicht einem „Wernio? (gleich Werner) zu verdanken hat. Die Nachsilbe „-wang? bedeutet soviel wie Feld oder Fläche; also Feld (Acker, Fläche) des Wernio.

Eine Deutung ghet nicht von dem Namen Wernio, sondern von dem germanischen Wort „Vuvar? (gleich Wuhre oder Furt) aus. Tatsächlich befand sich bis Anfang des 19.Jahrhunderts hier eine Brücke über die Zusam; die Strße führte durch den Fluß. Der Name müßte demnach bedeuten: Feld (Fläche) an der Furt. Die erste bisher nachweisliche Nennung des Namens ist eingetragen im Archiv der Pastoral-Conferenz des Bistums Augsburg als „Werischwanch? im Jahre 1327

Am 22. Januar 1349 wird dem Bischof Marquart das Rückkaufrecht „über die Gülten (Erträge) aus dem Forsthof Wenischwanch (später auch Wernswang) eingeräumt. Im Zusammenhang mit der Geschichte des Herrengeschlechts von Welden, zu dessen Herschaftsbereich der Ort Wörleschwang gehörte, ist im Jahre 1430 die Rede von der „Urfehde des Jörg Fischern, genannt der Habdankh von Werlischwang?. Der Ortsname wechselt auch später noch in verschiedenen urkundlichen Eintragungen:

  • 1452 Wörlschwang (im Jahre 1492 zählt der Ort 52 Häuser)
  • 1586 Wörleschwang

Am 22. August 1721 gab es in „Wörleschwang?, das damals zur Vogtei Holzheim in der Marktgrafschaft Burgau gehörte, 62 Feuerstätten, zur gleichen Zeit hatte z.B. Kriegshaber nur 24 Häuser. Im Frühling 1967 werden in Wörleschwang 127 Wohnhäuser gezählt.

Die Dörfer der Herrschaft Welden waren durch den 30jährigen Krieg menschenleer und verarmt. Etwa 75 Prozent aller Einwanderer in diese Dörfer nach dem unseligen Krieg kamen aus dem Salzburger Land.

Wörleschwang besitzt eine alterwürdige, bau- und kunstgeschichtlich wertvolle Pfarrkirche mit frühgotischen Fresken, aus der Zeit um 1250 stammend. Der romanische Turm mit dem hohen steilen Satteldach bedeutet ein besonderes Wahrzeichen Wörleschwangs. Er beherbergt u.a. eine Glocke aus dem 15. Jahrhundert mit der Aufschrift: „Osan hais ich – das unweter verdraib ich – Jacob anbas maister gos mich 1479.? Dieser Turm war ursprünglich (etwa ein Viertel seiner jetzigen Höhe) über der Grabstätte des Hl. Bekenners Albertus von Wörleschwang, der mit seinen angelsächsischen Landsleuten Giesebertus und Siegebertus die Gegend hier christianisiert haben soll (nach Pfarrer Jos. Schmids Aufzeichnungen „Geschichte … des Pfarrdorfs Wörleschwang? v. J. 1859), als Kapelle errichtet worden. Albertus soll um das Jahr 90 hier gewirkt haben.

Die Kirche ist dem Hl. Michael geweiht und läßt mehrere Stilarten erleben: Der mittlere Teil ist romanisch, der Chor ist gotisch und der Westteil mit der Empore barock. Bei der Kirchenrenovierung (Barockisierung) 1724, wobei u.a. die Fenster geändert und wahrscheinlich auch die im Jahre 1954 freigelegten gotischen Fresken übertüncht worden waren, kam über dem Portal die Jahreszahl der Kirchenerbauung 1100 zum Vorschein. Vieles deutet jedoch daraufhin, daß bereits vor dieser Zeit dort eine romanische Kirche, dem Erzengel Michael geweiht, gestanden hat.

Der Ort und die Kirchewaren stets eng verbunden mit dem im Jahre 744 von Bischof Wikterp gegründeten Kloster Fultenbach; gehörte doch die Mühle von Wörleschwang, neu erbaut durch den Abt Magnus 1720 und zum Großteil jetzt noch erhalten, sowie der Großzehnt auf 54 Tagwerk dem Benediktinerkloster. Nach der Säkularisation wurde das Kloster 1811 abgebrochen, die Steine wurden verkauft. So gelangten viele Steine vom Kloster Fultenbach nach Wörleschwang.

Bei einem Brand des Pfarrhofes im 30jährigen Krieg wurden sämtliche schriftlichen Aufzeichnungen, die dort lagerten, vernichtet. Wörleschwang war seit 1742 etwa ein halbes Jahrhundert lang ein bekannter und vielbesuchter Wahlfahrtsort zur schmerzhaften Mutter und zum heiligen Albert. Der erste urkundlich bisher nachgewiesene Pfarrer wirkte hier 1327: Johann, Kirchherr von Wernischwanch. Eine lückenlose Namensliste der hiesigen Pfarrherren läßt sich erst seit 1639 nachweisen.

1664: Erster Lehrer: Georg Kopp. 1818: Schulhausneubau anstelle des baufälligen Gebäudes, u.a. mit den Steinen einer abgetragenen, baufälligen, alten Kapelle, die seit Urzeiten an der Südseite des Friedhofes in den Mayerhof hineinragte. 1915: Jetziges Schulhaus erbaut im „größten Sumpfwinkel des ganzen Dorfes? – teilweise auf Pfahlrost – für 53 000 Mark.

Als Gründungsjahr einer Schule in Wörleschwang dürfte vielleicht 1664 betrachtet werden. Ob vorher schon „Lehrer?, die meisten neben dem Mesnerdienst noch ein Handwerk betrieben, Unterricht erteilten, ist nicht bekannt. Doch von bezeichnetem Jahr ab läßt sich auch für die Lehrer eine lückenlose Namensliste erstellen. Der erste „definitive? Lehrer, der den Anforderungen der österreichischen Regierung entsprochen hatte und am Sitz der Markgrafenschaft Burgau in Günzburg „geprüft? worden war, trat seinen Dienst hier 1775 an. Der Unterricht wurde anfangs in einzelnen Häusern, meistens in den Wohnungen der „Ludimagister? und der „Aedituus? abgehalten. Später diente dann das Haus Nr. 18 als Schulgebäude.

Nach dem Gemeindekataster geb es im Jahre 1793 schon ein „Schulmahd? (Pl.-Nr. 710) und laut aktenmäßigem Eintrag gab es auch einen „Schulhalter? Kaspar Brenner, der als solcher und als Mesner zugleich die Wiesen in parteno Sala (Pl.-Nr. 707 und 708) innehatte.

Die „Ortsgeschichtlichen Aufzeichnungen? zählen unter Gemeindeeigentum auch das Haus Nr. 18 auf und zwar als „Schulhaus, bewohnt ein jeweiliger Mesner und Schulhalter unentgeltlich und ist hieraus allerhöchster Herrschaft nichts zu bezahlen?. Die Erinnerung des Volkes reicht aber noch weiter zurück in jene Zeit, in der kein entgeltliches Schulhaus bestanden hatte und der „Handwerker-Lehrer? seinen Unterricht im meist eigenen Haus erteilte. So lebt hier für das Haus Nr. 24 noch der Hausname „Beim Schuljörg? und auch die Einwohnerschaft weiß zu erzählen, daß in diesem Haus einst Schule gehalten wurde. Es dürfte dies, wie gesagt, noch unter der österreichischen Regierung (Marktgrafenschaft Burgau) gewesen sein, als ein Georg (Jörg) Bechler, Mesner; Lehrer und Sattler in einer Person, die Kinder in seiner geräumigen Stube unterrichtet, daneben Mesner und in der Hauptsache Landwirt und Sattler war.

Inhaltsverzeichnis

 Posted by at 10:58