Mit Musik für eine Taufe fing alles an. Blaskapelle Wörleschwang besteht seit 280 Jahren – Fest und Fahnenweihe

 

Zeitungsbericht/AZ/Landkreis Augsburg Dienstag, 8. Sptember 1992

Wörleschwang (bef.) Welcher Musikverein kann schon auf ein 280jähriges bestehen zurückblicken, wie die “Blaskapelle Wörleschwang”? Laut Fuggerarchiv Dillingen spielten Musikanten schon anno 1712 eine Taufe, “als Unser Hochgräfl. Excel. gnädige Frau eine junge gnädige Herrschaft zur Welt gebohren”, so ein Original-Auszug an der Geschichtsschreibung. Daß das Anlaß für ein großes Fest ist, war für die Wörleschwanger natürlich selbstverständlich.

Mit einem Marsch durch den Ort zur Festhalle der Jubelkapelle mit den Festdamen, dem Festausschuß, den Einwohnern von Wörleschwang, angeführt vom Schirmherrn Bürgermeister Albert Meixner und Ehrenvorsitzendem Otto Hieber, wurden die drei Tage des Feierns begonnen. Nach einer Begrüßung durch den Dirigenten Peter Niederhofer zapften Bürgermeister Meixner und der Vorsitzende des Musikvereins, Peter Rode, durch kräftige Schläge die erste Maß an.

Nach einem flotten Marsch gab der Vorsitzende Rode einen Bericht über die Geschichte der Blasmusik über 280 Jahre. Um die Tradition weiter zu fördern, gab es einen Neuanfang nach dem Krieg im Jahre 1948 durch die Gründung einer Judenblaskapelle. Pfarrer Wilhelm Baur (er war der Spender der Instrumente und Musiklehrer Alois Tappreiner versammelten 15 Jugendliche zur Begeisterung für die Musik. Was daraus geworden ist, kann sich sehen lassen. Schon 1966 wurde der Musikverein Wörleschwang gegründet und ist inzwischen Mitglied im Allgäu-Schwäbischen Musikbund geworden.

Mit der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel eröffnete die Jubelkapelle den eigentlichen Festakt am Freitag im Gasthof Demharter. Als Ehrengäste begrüßte Musikvorstand Peter Rode unter anderem den Präsidenten des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM) Karl Kling, Bundesdirigent Diether Böck, Bezirksleiter Karl Wiedersatz und Landtagsabgeordneten Max Strehle. Ein Gruß galt auch den Fahnenabordnungen der Ortsvereine und den Freundschaftskapellen aus Feldthurns (Südtirol, Italien) und Treffelhausen (Baden-Württemberg).

Lange Tradition

Harmonie und Segen zeichnen eine Gemeinde aus, die es schaffe, 280 Jahre eine Tradition weiterzuführen, auf die Wörleschwang zurückblicken kann, meinte der Präsident des ASM, Karl Kling. Oft werde die Aufgabe der Musikanten gar nicht geschätzt und auch nicht erkannt, wieviel Zeit dran hänge, um den Anforderungen einer Kapelle gerecht zu werden. “Es ist schon nennenswert, wenn in einer Großgemeinde wie Zusmarshausen vier Musikkapellen vorhanden sind und drei davon auf lange Tradition zurückblicken können”, freute sich Kling. 26.000 Musiker gehören gegenwärtig dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund an, betonte er. “Solche Zahlen bereiten einem Präsidenten viel Freude.”

Anschließend konnten zwölf aktive Mitglieder aus der Blaskapelle die Ehrennadel in Empfang nehmen. Für 45 Jahre aktiven Dienst wurden Anton Hegele sen., Franz Ostermayer und Johann Vogg ausgezeichnet, für 25 Jahre Lorenz Böck, Hubert Hegele, Georg Kranzfelder, Leonhard Krebs, Peter Rode und Josef Steppich. Zeh Jahre dabei sind Anton Hegele und Christoph Steppich. Landrat Albert Spitzner meinte in seiner Festansprache, ob sich wohl schon jemand Gedanken gemacht habe, wie es war, als vor 280 Jahren eine Blasmusik gegründet wurde? Nach den fundamentalen Bewegungen, die diese Zeit prägten, war es schon eine Aufgabe, so etwas in die Wege zu leiten, so Spitzner. Kleine, oft arme Leute wollten zur Freude anderer etwas tun.

Eine besondere Ehrung konnte Vorstand Peter Rode vornehmen. Fritz Hörmann aus Glött bekam für aktive Mitwirkung ein Geschenk. Stets sei er bereit, in letzter Not auszuhelfen.

Den Abend gestaltete die Freundschaftskapelle Feldthurns aus Südtirol mit einem “Südtiroler Abend”. 20 Jahre besteht die Freundschaft schon zwischen den Musikern aus Südtirol und Wörleschwang. Beim Austausch der Geschenke zwischen Vorstand Peter Rode und dem Obmann der Musik aus Südtirol, Konrad de Lueg, meinte dieser, es sei eine Freude, bei dem Jubiläum mitwirken zu können. ASM-Bezirksleiter Karl Wiedersatz überreichte dem Obmann Konrad de Lueg und dem Dirigenten aus Südtirol, Eduard Gamper, die Ehrennadel des Musikbezirks Augsburg.

Mit einem Weckruf der Musikkapellen aus Feldthurns, Treffelhausen und Wörleschwang, wurden die Einwohner zum sonntäglichen Festtag gerufen. Den Gottesdienst in der Festhalle zelebrierten Dekan Georg Egger aus Violau, der Stadtpfarrer von Sankt Thadäus aus Augsburg, Herbert Mayer und Pater Christoph Steppich. Nach Gedichten, vorgetragen von den Festdamen, sprach Pater Steppich die Gebete zur Weihe der neuen Standarte und dem Fahnenband.

Ein Ohrenschmaus war es, als nahezu 30 Kapellen beim Gemeinschaftschor vor der Festhalle unter der Stabsführung des Dirigenten Eduard Gamper aus Feldthurns, Wolfgang Engler aus Treffelhausen, Bezirksdirigent Herbert Ahne und Bezirksleiter Karl Wiedersatz volle Harmonie verbreiteten.

Eingesäumt von Zuschauern waren die Straßen in Wörleschwang, als sich der Festzug, bestehend aus 63 Vereinen, durch den Ort bewegte. Die Fahnenabordnung der Vereine sowie auch viele historische Gruppen der Großgemeinde, hindeutend auf 1100 Jahre Zusmarshausen, zogen mit. Anschließend unterhielt die Musikkapelle Dinkelscherben die Gäste in der Festhalle. Unterhaltungs- und Stimmungsmusik gab es am Abend zum Ausklang des Festes mit den “Original Lechschwaben”.

Quelle: Otto Hieber, Wörleschwang im Zeitenlauf, Verlag Otto Hieber, 1999

 Posted by at 13:06