Alphornbläser und Jodler im Festzelt

 

Zeitungsbericht/Juni 1972

Wörleschwang (sy). Der Auftakt zur Wörleschwanger Festwoche stand unter keinem wohlgesinnten Wettersten. Doch Sturm und Regen beeinträchtigten den Zeltbetrieb nur beschränkt. Mit klingendem Spiel war die Jugendkapelle am Samstagabend durch den Ort gezogen und warb auf diese Weise für den Zeltbesuch. Und so hatten sich – trotz der Unbill der Witterung – etliche Hundert Gäste aus nah und fern unter dem schützenden Dach der Festwiese am Nordrand der Ortschaft eingefunden. Nachdem der Schirmherr der Veranstaltung, Bürgermeister Franz Krebs, fachkundig den ersten Bierbanzen angestochen hatte, sprach der Vorsitzende des Musikvereins Wörleschwang, Otto Hieber, Worte der Begrüßung, insbesondere galten seine Grußworte dem Schirmherren Krebs und dessen Gattin, den Gemeinderäten, Pfarrer Peter. Crncic, dem Leiter der Musikbezirke 15 und 16, Georg Kotter aus Binswangen und dessen Gemahling, dem Pressevertreter und den anwesenden Vertretern der benachbarten Musikkapellen. Der Vorstand bedankte sich aber auch in wohlgesetzten Worten bei allen Männern und Frauen, welche zur Ausgestaltung des Zeltes beigetragen hatten, bei den Mitgliedern des Festausschusses für die geleistete Arbeit, nicht zuletzt auch bei den Grundstückbesitzern, die ihre Wiesen als Festplatz zur Verfügung gestellt hatten. “Hoffen wir, daß die nächsten Tage gut verlaufen und uns allen etliche schönen Stunden der Entspannung und Freude bescheren werden”, damit schloß der Vorstand seine kurze Ansprache.

Anschließen brachte der Schirmherr, Bürgermeister Franz Krebs, in wenigen Sätzen den Glückwunsch der Bevölkerung zum 230jährigen Jubelfest der Wörleschwanger Blaskapelle zum Ausdruck und erklärte die Festwoche für eröffnet. Nun war die Blaskapelle Wörleschwang unter ihrem Dirigenten Richard Seidel am Zuge; Rhythmus und Charakter der Vortragsstücke wechselten in bunter Folge, vom alten Marsch bis zum neuzeitlichen, modernen Konzertstück spannte sich der Bogen in exakter, präziser Wiedergabe. Der Klangkörper hat in den letzten Jahren einige bewährte Kräfte verloren, er hat sich aber ergänzend verjüngen können, und zwar zu seinem Vorteil. Der Dirigent hat seine Truppe in ausgezeichneter Verfassung präsentiert. Für eine Steigerung der Stimmung sorgten im Laufe des Abends die Bernauer Buam Peter und Schorsch mit ihren gekonnten Alphorneinlagen und mit einem Schuplattler, der bei den Flachländern begeisterten Applaus hervorrief sowie Oberdirndln Heidi und Marianne von Chieming am Chiemsee mit ihren alpenländischen Liedern und Jodlern. So war der Eröffnungsabend der Festwoche für die vielen Besucher zu einem angenehmen Erlebnis geworden.

Den Sonntagsgottesdienst gestaltete musikalisch die Blaskapelle mit der Messe von Michael Hayden. Wohl zum erstenmal in der Geschichte der Ortskirche erklang kurz vor der Wandlung zwei Alphörner mit einem Hirtenruf zu Gottes Lob.

Den musikalischen Reign im Zelt dann am Vormittag die Blaskapelle Gabelbach. Am Nachmittag konzertierte die Festkapelle Wörleschwang, während am Abend die Musikkapelle Unterthürheim für Stimmung im Zelt sorgte.

Absoluter Höhepunkt der Festwoche zum 260jährigen Jubiläum der Blaskapelle Wörleschwang war am Freitagabend das Gastspiel von Ernst Mosch und scinen Egerländer Musikanten. Etwas mehr als eineinhalb Jahrzehnte besteht die weltbereisende und weltbekannte Blaskapelle der “Orginal Egerländer Musikanten”, die sich vor allem den Rythemn Marsch, Polka und Walzer verschrieben hat und mit Titeln, wie “Fuchsgraben”, “Rauschende Birken”, “Abendläuten”, “Mein Egerland” u.a. Weltruhm erreicht hat. Dieser Abend wurde nicht nur für die vielen praktizierenden Musiker ein Genuß, sondern für alle Freunde der Volksmusik.

Quelle: Otto Hieber, Wörleschwang im Zeitenlauf, Verlag Otto Hieber, 1999

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