Rückblick auf 280 Jahre Blasmusik Wörleschwang

 

Den Kern des heutigen Musikvereins Wörleschwang bildet die Blaskapelle. Sie kann auf ein sehr respektables Alter zurückblicken, nämlich auf das Jahr 1712.

Laut Fuggerarchiv Dillingen mit Nr. FA 43.4.157 spielten Musikanten anno 1712 eine Taufe „Als unser Hochgräffl. Excel. gnädige Frau etc. eine junge gnädige Herrschaft zur Welt gebohren? (Original-Auszug).

Am 23. Juli 1742 wird die Blasmusik im Fürstlichen Fuggerarchiv wieder erwähnt. An diesem Tag beehrte Bischof Josef von Augsburg Landgraf von Hessen-Darmstadt, Wörleschwang mit seinem Besuch. Anlaß dazu war die Erhebung und Untersuchung der Gebeine des seeligen Albertus von Wörleschwang, eines adligen Iro-Schottischen Wandermönches, der um 800 n.Chr. hier im Zusamtal missionierte. Zum Empfang des fürstlichen Oberhirten und seines Gefolges waren 18 geistliche Herren von der näheren Umgebung, sowie 10 weltliche Herren von Welden und Zusmarshausen anwesend. Der Fürstbischof wurde in Prozession abgeholt und unter dem Klang der Musik in die Kirche geleitet.

In der Folgezeit gibt es öfters Eintragungen in Akten, welche exakt die an die Musikanten ausgezahlten Beträge, nicht jedoch deren genaue Anzahl wiedergeben. Es dürfte aber in der Regel acht bis zehn Musiker gewesen sein. Sie spielten zu Gottesdiensten, bei feierlichen Anlässen der Herrschaft Welden, bei Geburten, Hochzeiten und Beerdigungen, doch auch zum Vergnügen und zum Tanz. Besonders festlich wurde auch immer der Albertytag begangen, wobei jedesmal die Musik spielte und den „Musikanten zum Trunk? 30 Gulden bezahlt wurden.

Mit der Säkularisation wurde die Herrschaft von Welden aufgelöst, die kirchliche Rechnungsbücher wurden nicht mehr weitergeführt. Damit reißen die schriftlichen Aufzeichnungen über die Tätigkeit der Musiker ab. Aus mündlicher Überlieferung weiß man aber, daß es immer Dorfbewohner gegeben hat, die mit ihren Musikinstrumenten die Gottesdienste verschönten und auf diese Weise die Tradition fortsetzten.

Diese Kichenmusiker faßte dann im Jahre 1886 der Zimmerman und Landwirt Albert Treu, ein bekannter Musiker, unter Hinzuziehung von neuen Kräften zu einer Musikkapelle zusammen. Den ersten Weltkrieg überstand die Kapelle gut. Mehrere ihrer Mitglieder waren in Militär-Musikzügen tätig gewesen.

Diese Musiker bildeten das Gerüst der ab 1926 durch Herrn Oberlehrer Brasser und den Dirigenten Georg Reitschuster betreuten, neuformierten Musikkapelle.
Laut Aufzeichnungen musizierten damals folgende Musikanten:

    B-Trompete

  • Anton Hegele,
  • Eustach Hegele
  • Johann Reitschuster
  • Anton Wiedemann
    Flügelhorn

  • Mathias Stöhr
  • Ludwig Messerer
  • Anton Reitschuster
    Tenorhorn

  • Alfons Walter
  • Xaver Gruber
    S-Trompete

  • Otto Hörmann
  • Georg Diesenbacher
  • Karl Treu
  • Jakob Vogt
    Baßtrompete

  • Josef Keller
  • Georg Treu
  • Josef Kempter
    Posaune

  • Michael Ostermayer
    Bassi

  • Georg Reitmayer
    Trommel

  • Hans Wipfler

Die Kapelle spielte bei kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen, Feierlichkeiten und auf Vereinsfesten bis in den zweiten Weltkrieg hinein. Der Krieg aber hatte zu große Lücken in den Reihen der Musiker gerissen, an ein Weiterführen der Kapelle Reitschuster war nicht zu denken.

Am 14. September 1948 gründete Pfarrer Wilhelm Bauer zusammen mit dem Musiklehrer Alois Tappheimer die Jugenblaskapelle Wörleschwang, aus der die Blaskapelle in ihrer heutigen Form hervorgegangen ist. Bei der Gründung der Jugendkapelle waren es 15 Jugendliche.
Diese waren:
Anton Hegele, Anton Hirle, Herrman Keller, Christian Ostermayer, Karl Frank, Johann Götzler, Konrad Hegele, Helmut Neuß, Alois Puchtinger, Bernhard Schaller, Georg und Michael Scherer, Josef und Karl Seifert.

Im Jahre 1949 sind folgende Musiker neu hinzugekommen:
Franz Ostermayer, Johann Böck, Leopold Deffner, Herbert Müller, Georg Vogg, Martin Schmid, Otto Hieber und Helmut Huber.

Die Kapelle nahm eine sehr gute Entwicklung und konnte ihr Können im Laufe der Jahre in unzähligen verschiedenen Auftritten bei kirchlichen Veranstaltungen, Jubiläumsfesten, Hochzeiten, Faschingsfeiern u.s.w. unter Beweis stellen. Zur Unterstützung der Blaskapelle wurde am 9. Januar 1966 der Musikverein Wörleschwang gegründet, dessen erster Vorstand Herr Hubert Hegele sen.(†) war. Die Ausbildung des Klangkörpers lag damals in den Händen von Kammermusiker Richard Seidel und Dirigent Christian Ostermayer. Im Jahre 1968 fand nach neuer Entwicklung die Einweihung der neuen Orginal-Schwäbischen Tracht statt. Seit der Gründung des Musikvereins ist die Blaskapelle Mitglied im Allgäu-Schwäbischen Musikbund. Viele Auszeichnungen, Preise und Urkunden erhielt die Kapelle im Laufe ihrer jüngeren Geschichte. Doch ein Höhepunkt diesbezüglich ist zweifellos die Verleihung der Plakete „Pro musica? durch den Bayrischen Innenminister im Jahre 1970.

Im selben Jahr wurde durch unseren jetzigen Ehrenvorstand, Herrn Otto Hieber, der Grundstein für die Heimatfesttage gelegt, die seither alle fünf Jahre stattfinden. Beim Heimatfest 1970 war gleichzeitig die Weihe der von Pfarrer Wilhelm Bauer gestifteten Standarte.

Im Jahre 1972 beauftragte der Allgäu-Schwäbische Musikbund unseren Verein mit der Ausrichtung des 12. Bezirksmusikfests der Bezirke 15 und 16. Dieses Fest vom 1. – 4. Juni 1972 war ein voller Erfolg.

In den Jahren 1969 bis 1980 leitete die Geschicke des Vereins der jetzige Ehrenvorstand, Herr Otto Hieber. Von 1981 bis 1990 übernahm die Führung Herr Hubert Hegele jun. als 1. Vorstand, von 1991 bis 2003 wurde der Verein Herrn Peter Rode (†) geleitet. Seit 2003 leitet Herr Christoph Hieber den Musikverein.

Seit Gründung gilt das Hauptmerkmal des Vereins auf die Ausbildung der Jugend. Hier wurde in der über 25jährigen Geschichte seit Vereinsgründung hervorragende Arbeit geleistet. Der Jubelverein präsentiert sich derzeit mit über 30 aktiven Musikern (Stand 1999).

siehe auch Mit Musik für eine Taufe fing alles an. Blaskapelle Wörleschwang besteht seit 280 Jahren – Fest und Fahnenweihe Zeitungsbericht/AZ/Landkreis Augsburg Dienstag, 8. Sptember 1992

Quelle: Otto Hieber, Wörleschwang im Zeitenlauf, Verlag Otto Hieber, 1999

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